Gothic 2 Blog

August 27, 2006

Gothic 2 test

Filed under: Game,Review,Test,User Feedback — gothic2 @ 12:45 am

 Rollenspiel

Gothic 2

20.12.2002 Uhr – Gut: Der Schläfer, Bösewicht aus Teil 1, schläft dank Ihnen für immer. Schlecht: Er war eine Art Schoßhündchen Beliars, dem Gott der Dunkelheit. Aus der Traum vom Dasein als Held, der vom Volk bejubelt wird, dem die Damen zu Füßen liegen – Sie rutschen direkt vom Regen in die Traufe: Hinaus aus dem Freiluftgefängnis des Vorgängers, einst umspannt von der magischen Barriere, direkt auf das Wanted-Plakat eines Unsterblichen, der verdammt sauer ist. Draußen, in der neuen Welt, liegt die pulsierende Hafenstadt Khorinis, zur einen Hälfte vom Meer, zur anderen von Wäldern und Hügelketten eingerahmt.

Durch diese bezaubernde Welt steuern Sie Ihre Spielfigur mit den Cursortasten, während Sie ihr über die Schulter blicken, führen Gespräche und kämpfen mit Schwert, Bogen und Magie gegen Monster.Die Stadt Khorinis ist das Herzstück des Landes: Auf dem Marktplatz stehen die Händler hinter ihren Verkaufsständen und preisen Waren an. Im Arbeiterviertel sind die Handwerker mit Hammer und Säge beschäftigt, während der Schmied am Amboss unermüdlich auf seine Schwerter schlägt. Durchs Hafenviertel schlendern zwielichtige Gestalten, die gern ihre Fäuste sprechen lassen. Im oberen Stadtteil hat sich die Hautevolee breit gemacht:

In prunkvollen Fachwerkhäusern leben dort die Intellektuellen und Reichen. Eines ist überall gleich: Es herrscht aufgrund der drohenden Orkangriffe hektisches Stimmengemurmel. Des Nachts, wenn der Mond die Stadt in fahles Licht taucht, verstummt der Trubel. Der Marktplatz ist wie leergefegt, die Handwerker sind verschwunden – nur aus der Kneipe unten am Hafen dringt Gepolter. Die meisten Einwohner schlummern in ihren Betten. In Gothic 2 folgt jede Figur einem glaubwürdigen Lebensablauf.

 

Grundsätzlich dürfen Sie nach dem Start des Spiels – Magier Xardas gibt Ihnen den Auftrag, das Auge Innos zu finden, um gegen das Böse gewappnet zu sein – jede Richtung einschlagen. Ob Sie die Hauptquests in Angriff nehmen, erst einmal zaghafte Schritte mit ein paar Nebenaufgaben wagen, oder gar ganz abseits des roten Fadens agieren, steht Ihnen völlig frei.

Grenzen setzen Ihnen die Monster, die in der Wildnis lauern. Wenn Sie in den ersten Spielstunden, von einem unbändigem Erkundungsdrang getrieben, zu tief in den Wald vordringen und dort in einer Höhle das Knurren eines Schattenläufers vernehmen, sollten Sie eines machen: ganz schnell weglaufen. Die meisten Gegner boxen Ihrem Held, der nach den Abenteuern des ersten Teils all seine Kraft verloren hat, mit einem Schlag die Luft aus der Lunge. Dann bleibt nur das Laden eines vorhandenen Spielstands, was wegen fehlender Quickload-Funktion ganz benutzerunfreundlich über das Hauptmenü geschieht.

Mehr Muskeln erhält die Spielfigur nach erfolgreichen Kämpfen oder gelösten Quests. Einsteiger werden von der Menge an Aufgaben regelrecht erschlagen. Denn jede zweite Person in Khorinis hat ein Problem. Ob Sie helfen, bleibt zwar freigestellt, ist aber neben Monsterhauen der einzige Weg, um stärker zu werden. Die ersten Aufträge sind nicht das, was sich ein Held vorstellt: Ein Bauer verdonnert Sie zum Rübenpflücken und dessen Frau verlangt, dass Sie ihr auf dem Marktplatz eine Pfanne kaufen. Doch bald ruft das Abenteuer:

 

Ein Händler schickt Sie in den Wald, in dem Wölfe ihr Unwesen treiben. Viele Quests lassen sich auf unterschiedliche Arten lösen. Als Angehöriger der Miliz werden Sie in der Stadt zwangsläufig auf Verbrecherjagd gehen. Ein Hehler verkauft Heringe, in denen sich etwas anderes als Fischfleisch befindet. Jetzt stehen Sie vor der Wahl: Wollen Sie den Ganoven im Hauptquartier der Paladine verpfeifen und ein nettes Kopfgeld kassieren?

Oder machen Sie mit ihm gemeinsame Sache, drücken ein Auge zu und profitieren von seinem speziellen Angebot? Ein anderes Beispiel: Schmied Harad verlangt die Beschaffung einer Orkwaffe, bevor er Ihnen sein Handwerk beibringt. Ein bisschen Recherche genügt und Sie wissen, wo sich ein derartiges Ungetüm aufhält: vor den Stadttoren! Den Ork erledigen Sie schließlich entweder, indem Sie Köpfchen zeigen und ihn auf Kollisionskurs mit einem Raubtier bringen – oder Sie heuern einen Jäger gegen Gold an, schicken selbigen an die Front und beobachten das Geschehen aus „gesunder“ Entfernung.

Egoisten haben in Gothic 2 die größten Überlebenschancen. Siegreich gekämpft wird, indem Sie den richtigen Schlag zur richtigen Zeit ausführen. Schnelle Hiebe dienen als Konterangriff gegnerischer Frontalattacken, richten aber wenig Schaden an. Langsame Schwertstreiche brauchen mehr Vorbereitungszeit und wirken sich dafür merklich auf den Lebensbalken des Kontrahenten aus. Der rechte Mausknopf bewirkt, dass die Spielfigur für wenige Sekunden eine Abwehrhaltung einnimmt.Gewonnene Erfahrungspunkte tauschen Sie beim entsprechenden Trainer gegen eine Steigerung der Charakterwerte ein. Auf diese Weise trainieren Sie den Umgang mit Schwertern, Bögen und Magie. Aber auch andere Fähigkeiten lassen sich erlernen: Ihr Held darf Waffen schmieden, Tränke brauen, Leute bestehlen oder Tiere zerlegen und die wertvollen Überreste für Gold verkaufen.

 

Dem Charaktermischmasch aus dem Vorgänger haben die Entwickler allerdings ein Ende gesetzt. In Gothic 2 gibt es keinen Feuerball zaubernden Ritter mit Langbogen. Entweder, oder: In der Hafenstadt startet Ihre Karriere als Paladin; auf Onars Bauernhof bildet Lee Sie zum Drachenjäger aus; im Kloster erlernen angehende Zauberer die Kunst der Magie. Ist Ihre Entscheidung gefallen, gibt es kein Zurück mehr. Dadurch erhöht sich der Wiederspielbarkeitsfaktor enorm. Haben Sie sich der Miliz der Paladine angeschlossen, werden die verfeindeten Söldner auf Onars Bauernhof gereizt auf Ihre Anwesenheit reagieren – und sämtliche Quests dort gehen flöten. Die dürfen Sie dann beim zweiten Durchspielen nachholen.

Gothic 2 ist ein außerordentliches Rollenspiel, das viele klassische Tugenden makellos umsetzt. Den Charakter vom Schwächling zum Superman aufzupäppeln, macht süchtig. Die über hundert Quests auf verschiedene Arten zu lösen, auch. Was aber darüber steht, all diese Glanzpunkte überstrahlt, das ist etwas anderes: nämlich die Atmosphäre. Die Entwickler haben eine glaubwürdige Fantasy-Welt geschaffen, die so stimmungsvoll ist, dass der Autor dieser Zeilen beim Spielen – einem Japaner in Rothenburg ob der Tauber gleich – alle fünf Sekunden auf die Bildschirmfoto-Taste gehämmert hat, in der Hoffnung, all die denkwürdigen Augenblicke festzuhalten. Leider können die Standbilder nur andeuten, was sich in Bewegung auf dem Monitor abspielt.

 

Die Natur der Spielwelt entfaltet tagsüber einen geradezu paradiesischen Farbenrausch: Ein Weg führt schräg hinab zu einem See, auf dem ein hundertfarbiges Blumenmeer aus Seerosen ruht. Weit von der Zivilisation entfernt liegt ein verzauberter Wald, dessen Bäume so dicht aneinander stehen, dass die Sonnenstrahlen nur vereinzelt durch die Wipfel dringen und ein wundervolles Muster ergeben.

An manchen Stellen segeln lose Blätter herab. Zwischen den Stämmen, Büschen und Sträuchern glitzern des Nachts Glühwürmchen. Hin und wieder regnet es, und die Berge in der Ferne sind dann nur noch zu erahnen. Gothic 2 schafft es spätestens dann, wenn ein Sonnenuntergang den Horizont in strahlendes Rot taucht, das Monitorbild in ein impressionistisches Gemälde zu verwandeln. Auch die Akustik darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben:

Auf Ihren Streifzügen durch die Wälder werden Sie von zurückhaltend melodischen Flötenklängen begleitet, die – immer zum richtigen Zeitpunkt – dynamisch in spannende Musik umschwenken. Die Soundeffekte werden dafür sorgen, dass Sie sich in der Dunkelheit beobachtet fühlen, weil von überall her Äste knacken, das Unterholz raschelt und Grillen zirpen. Ein bisschen lächerlich dagegen wirken die Animationen der Spielfiguren.

Beim Kämpfen schaut der Held mitunter aus, als leide er unter einem epileptischen Anfall. Und hüpfen kann er, da würde selbst der Weltmeister im Stabhochsprung vor Neid erblassen: Ohne Hilfsmittel springt Ihr Held gelegentlich wie ein Gummimann meterhoch in die Luft, als wolle er nach den Sternen am Himmel greifen. Das schafft er im Gegensatz zu den Gothic 2-Entwicklern nicht ganz: Die haben nämlich das bisher beste Rollenspiel des Jahres geschaffen, das nun zusammen mit Morrowind Seite an Seite den Genre-Thron besetzt.

 

 

 

1 Kommentar »

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